Im Salon der Eisenacher Reuter-Villa (des Thüringer Museum Eisenach) sorgte vor einigen Tagen der Dresdner Klavierbaumeister Bert Kirsten für einen sehr guten Klang des neu angeschafften Bechstein-Flügels. „Der Flügel ist mit seinem Klangbild jetzt für den Salon hier in der Villa stimmig“, erklärte der Fachmann nach getaner Arbeit. Für Kulturamtsleiter Dr. Achim Heidenreich ist das Klangbild unschlagbar. „Jedes Instrument erzeugt unterschiedliche Klangbilder und dieser Salonflügel passt wunderbar hierher“, betonte er.

Reuter Villa neuer Bechsteinflügel gestimmt

Bevor Dr. Heidenreich sich für dieses Instrument entschied, recherchierte er europaweit, sprach mit Gutachtern und ließ sich von renommierten Firmen beraten. Auf diesem Weg wurde er dann bei der Firma Dresdner Piano-Salon des Klavierbaumeisters Kirsten fündig. Letztlich überzeugte ihn ein Konzert, bei dem ein polnischer Pianist auf diesem Flügel spielte. Die Stadt kaufte diesen etwas kleineren Salonflügel gemeinsam mit dem Bechstein-Konzertflügel, der seit März 2019 im Rokokosaal des Eisenacher Stadtschlosses seinen Platz hat.Bei dem neuen Instrument in der Reuter-Villa handelt es sich um einen Bechstein-Flügel, der 2009 gefertigt wurde und einige Zeit als Ausstellungsstück präsentiert wurde. Seit Dezember 2019 steht das 2,08 Meter lange Instrument jetzt in der Reuter-Villa und konnte sich in den vergangenen Wochen akklimatisieren.

Für das neu gestimmte Instrument des Reuter-Wagner-Museums planen der Kulturamtsleiter und die Leiterin der städtischen Musikschule „Johann Sebastian Bach“, Sylvia Löchner, auch schon ein Eröffnungskonzert. „An diesem Flügel können auch unsere Musikschüler und Musikschülerinnen spielen und ihr Können zeigen“, freut sich Sylvia Löchner, denn der vorherige Konzertflügel an diesem Ort war für den kleinen Raum überdimensioniert und für junge Pianisten schwer zu spielen. Eigentlich war er seinerzeit für den Festsaal der Wartburg angeschafft worden.

Dr. Heidenreich lenkte bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit von Bert Kirsten auch noch in den Nebenraum, wo der Flügel von Luise Reuter steht. „Es wäre toll, wenn auch dieses Instrument wieder erklingen könnte“, richtete er sich hoffnungsvoll an den Klavierbaumeister. „Das ist ein echt historischer Flügel“, freute sich Kirsten. Er schlug ein paar Tasten an, prüfte die Spannwirbel der Saiten und zeigte sich recht optimistisch: „Ich glaube, diesen Flügel können wir wieder stimmen.“ Er denkt, dass dann auch Stücke aus der damaligen Zeit wieder authentisch in der Reuter-Villa erklingen könnten.

Der historische Flügel von Luise Reuter, der Ehefrau des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter, war 2012/2013 in Wien von dem Möbelrestaurator Maks Stok restauriert worden. Das Instrument wurde um 1860 von der Firma „W. Riethmüller und Sohn, Göttingen“ gebaut. Luise Reuter spielte darauf bei den Hausmusiken in der Reuterschen Villa. Seit die Stadt Eisenach die Villa 1895 kaufte und ein Museum für den niederdeutschen Dichter einrichtete, ist der Flügel von Luise Reuter Teil des Museums.

Foto: Stadt Eisenach

v.l: B. Kirsten, Dr. A. Heidenreich, S. Löchner