Thüringens größtes Klassikfestival wird in diesem Jahr erstmals in Wechmar eröffnet. Den Anlass für dieses Festival-Debüt bietet ein besonderes Jubiläum: Vor 400 Jahren starb Veit Bach, der Urvater der Thüringer Bachfamilie, in Wechmar. Ihm zu Ehren präsentieren die zwölf englischen Sängerinnen und Sänger des Ensembles Stile Antico ein Programm, das Johann Sebastian Bachs Motetten in den Kontext seiner Familie und seiner musikalischen Vorfahren stellt.

096 2019 Thüringer Bachwochen 2019 eröffnen Festival in Wechmar und sind erneut in der Residenzstadt Gotha zu Gast Foto Marco Borggreve

„Es ist uns eine große Freude, das Festival in Wechmar zu eröffnen“, so Festivalleiter Christoph Drescher. „Es zeigt, wie vielfältig Bach in Thüringen zu erleben ist. Wechmar erzählt eine besondere Bach-Historie, die erst viele andere Geschichten ermöglicht hat. Es ist ein Reiz des Festivals, diese authentischen Orte in das Konzertprogramm einzubinden und mit den vielen internationalen Gästen zu beleben.“

Die Vita von Stile Antico enthält neben Konzerten in den führenden Konzertsälen der Welt auch drei Grammy-Nominierungen sowie Kooperationen mit namhaften Solisten und Ensembles, darunter auch dem Popmusiker Sting. Mit ihm hat auch der bosnische Lautenist Edin Karamazov musiziert, der in Wechmar ebenfalls zu erleben ist. Seine Zwischenspiele verbinden die Vokalkompositionen – und sind eine besondere Hommage an Veit Bach, spielte der doch vortrefflich auf dem „Cythringen“, einem volkstümlichen Zupfinstrument.

Daneben sind die Thüringer Bachwochen selbstverständlich auch in der Residenzstadt Gotha zu Gast. In diesem Jahr mit einem außergewöhnlichen Programm, denn es gilt eine besondere Wiederentdeckung zu feiern. Vor elf Jahren staunte die Bach-Welt, als in St. Petersburg ein gedrucktes Textheft zur traditionsreichen Passionsmusik an der Leipziger Thomaskirche aus dem Jahr 1734 auftauchte. Die Überraschung: Thomaskantor Johann Sebastian Bach führte in diesem Jahr nicht eine seiner eigenen Passionen auf, sondern ein Stück des Gothaer Hofkapellmeisters Gottfried Heinrich Stölzel. Das groß angelegte Oratorium „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“, das in 22 Meditationen entlang des Kreuzweges die Leidensgeschichte Jesu erzählt, hatte Stölzel bereits 14 Jahre zuvor für Gotha geschaffen. Unter Leitung des Stölzel-Kenners Hermann Max und mit den beiden Ensembles „Rheinische Kantorei“ und „Das kleine Konzert“ wird die Passionsmusik nun erstmals seit dem 18. Jahrhundert wieder zu erleben sein – am historischen Ort seiner Entstehung in der Schlosskirche des Gothaer Schlosses Friedenstein.

Komplettiert wird der regionale Veranstaltungsreigen durch einen Kantatengottesdienst unter Leitung des Gothaer Kantors Jens Goldhardt. „Thüringen wird als Bachland geprägt durch viele engagierte Musikerinnen und Musiker, die in den regionalen Bachchören oder mit ihren Familien zuhause musizieren“, so Drescher. „Auch ihre Konzerte gehören zu den Thüringer Bachwochen und bereichern das Festival, weil sie zeigen, wie lebendig das Erbe Bachs noch heute ist.“

DIE KONZERTE IM ÜBERBLICK:

Samstag, 13. April 2019

Wechmar | Kirche St. Viti
17:00 Uhr

Stile Antico & Edin Karamazov
Eröffnungskonzert 1: Große Vergangenheit

Samstag, 20. April 2019
Gotha | Schlosskirche
16:00 Uhr

Rheinische Kantorei
Das Kleine Konzert

Sonntag, 05. Mai 3019
Gotha | Margarethenkirche
10:00 Uhr

Kantatengottesdienst
Bachchor und Vocalkreis Gotha

Eintrittskarten für die Konzerte sind erhältlich im Internet unter www.thueringer-bachwochen.de, telefonisch unter 0361 - 37 42 0, persönlich in den Vorverkaufsstellen der beteiligten Städte sowie an der Tages- bzw. Abendkasse am Veranstaltungstag. Der Eintritt beim Kantatengottesdienst ist frei, eine Kollekte wird erbeten.

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