Mit dem Konzert „Das liebliche Ungeheuer“ startet die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach in die neue Abo-Spielzeitsaison 2022/2023. Das Konzert gibt es wie gewohnt zweimal - am Donnerstag (29. September 202022) als A1-Konzert ab 20 Uhr im Kulturhaus Gotha sowie am Freitag (30. Oktober 2022) ab 19.30 Uhr als 1. Sinfoniekonzert im Landestheater Eisenach.

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Unter der Leitung des 1. Gastdirigenten der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach, Charles Olivieri-Munroe, spielt die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach mit dem Klavier-Solisten Sheng Cai Musik von Louis Spohr, Carl Maria von Weber und Johannes Brahms. Karten für die Konzerte gibt es u.a. im Ticketbüro am Gothaer Hauptmarkt, im Landestheater Eisenach sowie online im Ticketshop Thüringen (www.ticketshop-thueringen.de).

Mit nostalgischen und zugleich ehrerbietenden Worten betrauerte Johannes Brahms den Verlust Louis Spohrs, der ein Bindeglied zwischen der klassischen und romantischen Musikepoche darstellte: „Spohr ist tot! Wohl der Letzte, der noch schöneren Kunstepochen angehörte, als wir jetzt eine durchmachen“. Brahms zählte zu den großen Bewunderern Spohrs und dies nicht ohne Grund, denn mit ihm verlor die Musikwelt einen bedeutenden und maßstabsetzenden Violinvirtuosen, Orchestererzieher und Komponisten. Als Klangerneuerer hegte er eine große Begeisterung für die mystischen Stoffe in der Literatur mit rätselhaft-magischen und ungeheuren Gestalten – so auch in der Oper „Faust“ op. 60, die sich nicht auf Goethes Drama, sondern auf ein Bühnenstück und Gedicht von Friedrich Maximilian Klinger und Heinrich von Kleist bezieht. Bereits während der Ouvertüre erklingt das furiose, mephistophelische Höllenmotiv, durch das Fausts Schicksal besiegelt wird.

Rund drei Jahre nach der Fertigstellung der Partitur erlangte Carl Maria von Weber Kenntnis von Spohrs romantischer Oper und brachte sie 1816 im Prager Ständetheater zu einer erfolgreichen Uraufführung – die musikalische Leitung übernahm Weber selbst. Das Verhältnis zwischen Spohr und Weber war ein überaus wertschätzendes. Beide kannten sich noch aus ihrer gemeinsamen Gothaer Zeit: Karoline Amalie von Hessen-Kassel richtete 1812 das Deutsche Musikfest in der Margarethen-kirche in Gotha aus, bei dem Carl Maria von Weber als Pianist und Louis Spohr als Dirigent der Gothaer Hofkapelle mitwirkten. Das Klavierkonzert Nr. 2 in Es-Dur op. 32 widmete Weber Herzog Emil Leopold August von Sachsen-Gotha und Altenburg, dem Gemahl Karoline Amalies.

1877, rund ein Jahr nach der Uraufführung seiner Sinfonie Nr. 1, ließ Johannes Brahms eine zweite folgen – diese war allerdings von ganz anderer und neuartiger Wesensart: Es handelt sich um ein Orchesteridyll von gelöster Heiterkeit. Sie ist ein musikalisches Zeugnis der Brahms’schen Naturverbundenheit und wird meist als vermeintliches Äquivalent zur „Pastorale“ Beethovens angesehen. Doch seinem Verleger Fritz Simrock gegenüber enthüllte Brahms die Vielgestalt seiner Sinfonie: Man solle sich durch den idyllischen Charakter des Stücks nicht täuschen lassen – sie besäße auch ein melancholisch-elegisches Kolorit, weshalb er die Sinfonie Nr. 2 auch als sein „neues liebliches Ungeheuer“ bezeichnete.

Zum Solisten Sheng Cai

Der kanadische Pianist Sheng Cai, dessen „innere Leidenschaft verbunden ist mit Rubinsteins Nonchalance“ (Thüringer Allgemeine), hat sich der Klaviertradition des romantischen Virtuosen verschrieben. Seine Aufführungen bedeutender Klavierwerke der vergangenen Jahrhunderte haben das Publikum berührt und das Lob der Kritiker auf vier Kontinenten bekommen. Sheng Cai wurde mit einer Reihe von Preisen und Auszeichnungen geehrt und setzt immer wieder neue Maßstäbe bei der Interpretation sowohl etablierter Werke als auch von Raritäten der Klavierliteratur. Seit seinem Debüt mit dem Toronto Symphony Orchestra im Alter von nur fünfzehn Jahren hat Sheng Cai ein breites Spektrum an Konzertrepertoires aufgeführt – Bartok, Beethoven, Brahms, Chopin, Liszt, Gershwin, Grieg, Mendelssohn, Mozart, Prokofjew, Rachmaninoff, Saint- Saens, Schumann, Schostakowitsch und Tschaikowsky verbunden mit Einladungen zu Dutzenden von Orchestern weltweit als Gastsolist.

Zu den jüngsten Konzertauftritten gehören Einladungen zu Konzerten mit der Toronto Symphony, Quebec Symphony, Calgary Philharmonic, Windsor Symphony, Canton Symphony of Ohio, Fort Collins Symphony, New Bedford Symphony, Irving Symphony of Texas und mit der Shanghai Symphony, Shenzhen Symphony sowie mit dem Philharmonischen Orchester Erfurt in Deutschland, der Krakow Philharmonic of Poland, North Czech Philharmonic, Jalisco Philharmonic und Orquesta Filarmonica Boca del Rio of Mexico, Orquesta Filarmonica de Bogota in Kolumbien und vielen anderen. In Kanada wurde Sheng Cai eingeladen, mit dem Vancouver Symphony für das Galakonzert zum Mondneujahr aufzutreten, und reiste mit zahlreichen regionalen Orchestern in den USA und Kanada von Küste zu Küste, darunter Kingston, Kamloops und Glacier Symphony of Montana.

In Solokonzerten war Sheng Cai an vielen renommierten Orten in Nordamerika zu hören, wie der Steinway Hall in New York, der Jordan Hall in Boston, dem internationalen Musikzentrum von Chicago, dem Cleveland Play House, dem Modern Art Museum in Fort Worth und dem Alys Stephens Centre in Birmingham, das Glenn Gould Studio von CBC in Toronto und andere angesehene Veranstaltungsorte in Stratford, Elora, Montreal und Winnipeg. In China weihte er die Konzerthalle Ningbo ein und gab sowohl Recitals als auch Konzertaufführungen. Als Kammermusiker hat Sheng Cai mit einer Reihe von bekannten Künstlern zusammengearbeitet, darunter dem Enso String Quartet. Viele seiner Auftritte wurden in ganz Nordamerika ausgestrahlt, darunter CBC Radio Canada und der WCLV-Radiosender in den USA. Weitere Informationen unter www.shengcai.ca

A1 Das liebliche Ungeheuer Dirigent – Charles Olivieri-Munroe

Do., 29.09.2022 | 20 Uhr | Kulturhaus Gotha

Wiederholung als 1. Sinfoniekonzert: Fr., 30.09.2022 | 19.30 Uhr | Landestheater Eisenach

Louis Spohr: Ouvertüre zur Oper „Faust“ op. 60

Carl Maria von Weber: Klavierkonzert Nr. 2 Es-Dur op. 32 *

Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Bild: Sheng Cai, Bildquelle: Autor