Online-Lesung und Gespräch mit Petra Riemann am 28. April 2021, 19 Uhr

Buchcover Riemann

Im Sommer 2013, mitten im Bundestagswahlkampf, berichtet die „WELT am Sonntag“: Der bekannte DDR-Schauspieler Lutz Riemann arbeitete als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für den Auslandsnachrichtendienst der Staatssicherheit. Unter dem Decknamen „Richard König“ habe er in den 1970er Jahren Peer Steinbrück bespitzelt und auch Künstlerkollegen in Thüringen ausspioniert. Nicht nur den SPD- Kanzlerkandidaten trifft die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Auch die Tochter des Schauspielers, Petra Riemann, ist schockiert. Sie kann nicht glauben, dass ihr Vater ein linientreuer IM war, der ans Ministerium für Staatssicherheit berichtete. Im Gegenteil: Sie kennt ihn als feinsinnigen Künstler, als einen Aufrechten, der sich nicht verbiegen lässt, als liberalen Familienvater, der seine Kinder zum freien Denken und zum Widerspruch in der Diktatur ermunterte.

Lutz Riemann, unter anderen bekannt als „Oberleutnant Zimmermann" aus der DDR-Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“, gibt seine Stasi-Tätigkeit 2013 unumwunden zu. Und die Tochter fragt ihn nach dem „Warum?“. Eine Antwort bekommt sie nicht. Also beginnt Petra Riemann mit eigenen Recherchen. Sie stellt einen Forschungsantrag beim Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin. Plötzlich entwickelt die Recherche eine Eigendynamik. Kindheitsfreunde, die Petra Riemann seit Jahrzehnten nicht mehr sah, Bekannte, Verwandte, Arbeitskollegen treten plötzlich wieder in ihr Leben und geben „Richard König“ ein Gesicht. Die Berichte des IMs und das besondere Wissen der Autorin über persönliche Verbindungen legen beredtes Zeugnis ab über das Ausmaß der „Zersetzungsarbeit“ unter den Thüringer Künstlern.

Petra Riemann, Jahrgang 1968, geboren in der DDR, hat ihre Familiengeschichte aufgearbeitet. Sie verschafft sich damit Klarheit über die eigene Vergangenheit und über die Beziehung zu ihrem Vater. Als Ergebnis ihrer jahrelangen Recherchen entsteht das Buch „Die Stasi, der König und der Zimmermann“.

Aus diesem Buch liest die Autorin im Sprechwechsel mit ihrem Mann, dem Journalisten Torsten Sasse, am Mittwoch, den 28. April 2021, 19 Uhr in einer Online-Lesung. Moderiert wird die Lesung und das anschließende Gespräch vom Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Dr. Peter Wurschi.

Der Landesbeauftragte lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zur Online-Veranstaltung am 28. April 2021 ein.

Hinweis zur Veranstaltung

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