Eisenach. Trotz Rückzug von der Bühne noch einmal live: Ein Konzert mit Bettina Wegner findet am 12. Mai in der Nikolaikirche in Eisenach statt. Beginn ist 18 Uhr, mit dem Einlass ab 17 Uhr wird zu einem Bio-Imbiss eingeladen.

Bettina Wegner

Die Liedermacherin und Lyrikerin, unter anderem bekannt durch das Lied „Sind so kleine Hände“, tritt gemeinsam mit Karsten Troyke und dem Gitarristen El Alemán auf. Organisiert wird das Konzert von dem Eisenacher Verein „Neues Leben“ mit Unterstützung der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Eisenach. Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), fördert das Konzert im Rahmen des Jubiläums 30 Jahre Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der DDR. Vergünstigte Karten gibt es im Vorverkauf im Landeskirchenamt der EKM (Michaelisstraße 39) in Erfurt sowie in der Buchhandlung „Leselust“ (Georgenstraße 2) und im Stadtkirchenamt (Pfarrberg 2) in Eisenach oder über www.verein-neues-leben.de.

Bettina Wegner gilt als erfolgreichste und bekannteste deutschsprachige Liedermacherin. Ihre Lieder sind genauso unvergessen wie ihre Konzerte, unter anderem mit Joan Baez, Susan Vega und Konstantin Wecker. Sie ist bekannt für ihren Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit, gegen Gefühlsarmut, Faschismus und Ausländerhass. Ihr Engagement ging über die künstlerische Arbeit hinaus: So hat sie Mahnwachen organisiert, gab Benefizkonzerte und unterstützte Hilfsprojekte. 2007 hatte sie sich von der Bühne verabschiedet, seitdem gibt es keine Solokonzerte mehr, sehr vereinzelt tritt sie mit dem Sänger-Schauspieler Karsten Troyke auf.

Bettina Wegner und Karsten Troyke lassen Zeugnisse einer Liedkultur aufleben, die selten geworden ist. Nicht „cool sein“, sondern sich zeigen, nicht „Spaß haben wollen“ als Ausdruck von Resignation, sondern offenes Lachen und Fragen in Liedern, mit Berliner Charme und mit Sensibilität. Karsten Troyke weiß einen differenzierten Ton anzuschlagen, selbst bei beklemmender Thematik gelingt es ihm noch, das Zynische mit dem Komischen, das Grauenhafte mit dem Grotesken zu verbinden. Seine Stimme ist nicht minder eindringlich und hat eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit.

Biografisches:
Bettina Wegner wurde 1947 in Westberlin geboren. Nach Gründung der DDR übersiedelten ihre Eltern - überzeugte Kommunisten - mit ihr nach Ostberlin. Sie erlernte den Beruf einer Bibliotheksfacharbeiterin und begann 1966 ein Studium an der Schauspielschule Berlin. 1966 war sie Mitbegründerin der Oktoberklubs. Nachdem sie mit Flugblättern gegen die Intervention der Warschauer Paktstaaten in der Tschechoslowakei protestiert hatte, wurde sie exmatrikuliert, verhaftet und wegen "staatsfeindlicher Hetze" auf Bewährung verurteilt. Nach "Bewährung in der Produktion" besuchte sie die Abendschule, holte ihr Abitur nach und absolvierte eine Ausbildung als Sängerin am Zentralen Studio für Unterhaltungskunst. Seitdem lebt sie freischaffend. Nach öffentlichem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 wurden ihre Auftrittsmöglichkeiten immer weiter beschnitten, so dass sie nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen "Verdachts auf Zoll- und Devisenvergehen" 1983 nach Westberlin übersiedelte. Danach hatte sie erfolgreiche Konzerttourneen und mehrere CDs veröffentlicht.

Hintergrund Ökumenische Versammlung:
Die Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der DDR war eine der ersten regionalen Versammlungen in Europa im Rahmen des Konziliaren Prozesses, eines gemeinsamen „Lernwegs“ christlicher Kirchen zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Sie fand in drei Vollversammlungen im Zeitraum zwischen Februar 1988 und April 1989 statt. Kurz vor der friedlichen Revolution entfaltete sie darin eine ganz besondere Wirkung.
www.bettinawegner.de

In Kürze:
12. Mai, 18 Uhr, Eisenach, Nikolaikirche
Konzert Bettina Wegner mit Karsten Troyke und dem Gitarristen El Alemán

Foto: Bettina Wegner