Ein Kunstprojekt unter dem Motto „Mit Judenhass vergiftet – Versuch einer Entgiftung im Protestantismus“ wird in der Nikolaikirche in Eisenach gezeigt. Die Eröffnung am 20. September um 17 Uhr anlässlich der jüdisch-christlichen Begegnungstage übernehmen Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die Kulturwissenschaftlerin Dr. Shelley Harten, Ausstellungskuratorin vom Jüdischen Museum Berlin, und Ralf-Peter Fuchs, Superintendent des Kirchenkreises Eisenach-Gerstungen.

Kunstprojekt Der Wanderer EKM

Das Projekt „Der Wanderer“ stammt von der israelischen Künstlerin Michal Fuchs und ist bis November jeweils von Montag bis Sonnabend von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr zu sehen. Im kommenden Jahr wird das Projekt an drei weiteren Orten in Mitteldeutschland aufgebaut.

Michal Fuchs will mit ihrem Projekt mittels Pflanzen den Mythos vom „ewigen Juden“ ins Gespräch bringen. Ihr Projekt trägt den Titel „Der Wanderer“. Mit der Mexikanischen Dreimasterblume und dem Zebra-Ampelkraut verwendet sie dafür Pflanzen, die sowohl hebräisch als auch englisch so heißen. „Der Name rührt vom Charakter der Pflanzen her: Sie tauchen überall auf, können sehr lange Wurzeln entwickeln und überleben fast alles“, sagt Charlotte Weber, Referatsleiterin Ökumene im Landeskirchenamt der EKM. „Der Fokus der Künstlerin liegt auf den Wurzeln der Pflanzen als Symbol für Zugehörigkeit, Loslösung, Bewegung, Kontrolle, Griff und Identität.“

Das Projekt soll seine Wirkung an unterschiedlichen Orten der EKM in Sachsen-Anhalt und Thüringen entfalten. Die Besucher können sich Hängetöpfe mit Ablegern in ihre Gemeinden mitnehmen, um dort weiter über den Mythos vom „ewigen Juden“ nachzudenken. Dafür gibt es Begleithefte mit inhaltlichen Impulsen.

Michal Fuchs wurde 1983 in Haifa geboren. Sie absolvierte zunächst in Jerusalem ein Studium für klassische Malerei. Seit 2010 lebt sie in Deutschland und studiert seit 2014 Buchkunst und Metall an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Besonders beschäftigt sie sich künstlerisch mit ihrer jüdisch-israelischen Identität im Verhältnis zu Deutschland und ihrer Heimat.

Die EKM hatte das Kunstprojekt ausgeschrieben, um die Nachwirkungen der antijudaistischen Arbeit des sogenannten Entjudungsinstitutes in Eisenach bis in die heutige Zeit hinein zu reflektieren. Anlass ist die Gründung des Entjudungsinstituts in Eisenach vor 80 Jahren. Der Jury gehörten Künstler sowie Vertreter von Landeskirche und Kulturinstitutionen an.

Foto: Kunstprojekt (Quelle: EKM).