Im Lutherhaus Eisenach wird am 21. März die Ausstellung „Gratwanderungen" eröffnet. Schüler des örtlichen Martin-Luther-Gymnasiums zeigen die Ergebnisse ihrer Forschung zur Rolle der Evangelischen Kirche im Nationalsozialismus am Beispiel des Eisenacher „Entjudungsinstituts" und dessen Leiters Walter Grundmann.

Anlässlich des Themenjahres der Lutherdekade „Reformation und Toleranz" geht es dabei auch um die Verbindung zwischen Luthers Einstellungen zum Judentum des 16. Jahrhunderts und der Arbeit des Institutes zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Ausstellung läuft bis zum Reformationstag am 31. Oktober.

Das Martin-Luther-Gymnasium Eisenach hatte im Jahr 2006 schon einmal eine Ausstellung zu dem Thema erarbeitet. Nun wurde sie von einer Projektgruppe von Lehrern und Schülern in Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät der Universität Jena umfassend aufgearbeitet und um neue Erkenntnisse erweitert. Dabei stellte sich heraus, dass sich sowohl Vertreter der „Bekennenden Kirche" als auch Anhänger der „Deutschen Christen" in ihren Ausführungen für oder wider das Judentum auf Luther bezogen. Ein von Schülern des Abiturjahrganges 2013 entwickeltes interaktives Konzept führt den Besucher durch die Ausstellung und regt zur Auseinandersetzung mit der Frage an: „Wie hätte ich gehandelt?". Mithilfe von Fragen, die am Ende der Ausstellung ausgewertet werden können, sollen die Besucher auf eine Gratwanderung zwischen Mitschuld, Anpassung und Widerstand geschickt werden.

Die Ausstellung eröffnet Dr. Jochen Birkenmeier, der neue Wissenschaftliche Leiter der Stiftung Lutherhaus Eisenach. Ein Grußwort hält Prof. Karl-Wilhelm Niebuhr von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Einführung übernimmt Thomas Giesa, Schulleiter des Martin-Luther-Gymnasiums. Almuth Heinze (Violine) sorgt für die musikalische Umrahmung. Im Anschluss an die Vernissage besteht die Möglichkeit zu einem Rundgang durch die Ausstellung. Die Mitglieder der Projektgruppe sind als Ansprechpartner mit dabei.