Was wäre ein Jahreswechsel ohne die „Neunte“? Beethovens Werk erklingt von New York bis Peking, von Helsinki bis Melbourne – und in Gothas Kulturhaus. Hier aber schon am Freitag, dem 28. Dezember, ab 18 Uhr.

Thphil 1 schmal Foto Bernd Seydel

Diese Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125, erstmals 1824 in Wien aufgeführt, ist eben etwas Besonders: Sie ist Beethovens Referenz an den von ihm verehrten Schiller und seine „Ode an die Freude“. Die „Neunte“ war zugleich eine musikalische Revolution, weil sie mit rund 70 Minuten Dauer abendfüllend war und erstmals ein Chor benötigt wurde.

Unter der Leitung von Russel Harris bereichern die Sängerinnen und Sänger des Konzertchores Gotha und der Suhler Singakademie den Orchesterklang ebenso wie vier renommierte Gesangssolisten: Jungyun Jung (Sopran), Kayo Hashimoto (Alt), Aljoscha Lennert (Tenor) und Oskar Hillebrandt (Bass).

Konzertkarten (20 - 25 € / ab 16 € ermäßigt) sind in der Tourist-Information Gotha, an den Vorverkaufsstellen des Ticketshop Thüringen sowie an der Abendkasse erhältlich.

Warum wird aber die „Neunte“ ausgerechnet zu Silvester gespielt?

Das war exakt vor 100 Jahren das erste Mal so: Rudolf Franz, Feuilletonredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, hatte die Idee dazu. Nachdem am 11. November 1918 der Erste Weltkrieg endete, wollte Franz eine würdige Silvesterfeier, auf der unbedingt Beethovens „Neunte“ erklingen sollte. Dafür gewann er das Arbeiter-Bildungs-Institut, eine kulturpolitische Organisation zur Heranführung der Arbeiter an Film, Theater, Literatur und Musik. Und dem Journalisten Rudolf Franz gelang es, den Gewandhauskapellmeister Arthur Nikisch für seine Idee zu begeistern.

Das Konzert begann im „Kristallpalast“ zu Leipzig am 31. Dezember 1918 gegen 23 Uhr, damit pünktlich mit dem Schlusschor das neue Jahr begrüßt werden konnte. Schillers „Ode an die Freude“ mit der Botschaft „Alle Menschen werden Brüder“ war in jenen Tagen aktueller denn je.

Auch Nikischs Nachfolger Wilhelm Furtwängler und Bruno Walter übernahmen diese Tradition. Zudem waren die Macher des damals erfundenen Radios so begeistert, dass sie bereits Ende der 1920er-Jahre die „Neunte“ übertrugen.

Und weil wir gerade bei Geschicht(ch)en sind: Die „Neunte“ ist schuld daran, dass eine Audio-CD maximal 80 min. Spieldauer hat. Als die CD Ende der 1970er-Jahre erfunden wurde, wünschte sich der damalige Sony-Vizepräsident und ausgebildete Opernsänger Norio Ōga, dass diese Sinfonie vollständig zu hören sei. Deshalb haben CD – und in deren Folge auch DVD – einen Durchmesser von 120 mm.

Ursprünglich sollten es nur 115 mm sein. So breit waren nämlich die Brusttaschen der Hemden der Sony-Angestellten, die diese neue Technik und deren Vorteile vorzuführen hatten. Sony-Vize Norio Ōga liebte aber besonders die Aufnahme der „Neunten“ mit Wilhelm Furtwängler bei den Bayreuther Festspiele 1951. Deren 74 Minuten Dauer erforderte mehr Platz, weshalb der Durchmesser der CD auf 12 Zentimeter wuchs.

Termin
Fr, 28.Dezember 2017, 20 Uhr, Kulturhaus Gotha
Beethoven: Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125
Karten: Tourist-Information Gotha, Pressehäuser TA, TLZ, Ticketshop Thüringen

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