„Auf Eisenachs bürgerschaftliches Engagement ist Verlass“, stellten Andris Plucis (Künstlerischer Leiter Landestheater Eisenach) und Kulturamtsleiter Dr. Achim Heidenreich bei ihrem Besuch der beratergruppe:Leistungen – der Steuerkanzlei von Frau Ilse Pforr am Theaterplatz 2 –mit Freude fest. Neben ihrer Tätigkeit in der Wirtschaftsberatung und Unternehmensentwicklung versteht sich Ilse Pforr auch als „Ermöglicherin“ und stellt ab jetzt ihren saalartigen Schulungsraum auch den Eisenacher Kulturakteuren zur Verfügung.

Hier soll in Zukunft nach Herzenslust debattiert und um die besten kulturellen Ansätze und Lösungen gerungen werden. Damit knüpft Ilse Pforr an die barocke Salontradition an, die im 19. Jahrhundert dann vom Bürgertum zwecks Emanzipation als Wiege der Demokratie weitergeführt wurde. „Eine Tradition, die uns heute leider verloren zu gehen droht“, bekräftigte Ilse Pforr ihren Willen zum Diskurs.

Programmatisch begonnen werden soll jetzt mit einem Literarischen Salon, waren sich Plucis, Heidenreich und die Gastgeberin beim Ortstermin im kammermusiktauglichen Saal (Deckenhöhe 4,50 Meter) einig. Das Hygienekonzept ist vom Kulturamt bereits erarbeitet worden. Derzeit dürften sich 22 Menschen gleichzeitig in dem Raum aufhalten. „Das sind 22 Meinungen und hoffentlich werden die auch alle vorgetragen, denn seit 30 Jahren ist das ja nicht nur erlaubt, sondern zwingend notwendig, damit die Demokratie lebt - und dabei geht es nicht darum, dass mir die Meinung des anderen gefällt, sondern, dass ich sie zunächst einmal gelten lasse, sonst wäre es ja bloß wieder meine eigene Meinung. Freiheit aber ist Differenz“, blickt Dr. Achim Heidenreich hoffnungsvoll in die Zukunft des neuen Salons in Eisenach. Andris Plucis, mit dem Landestheater und dessen Ballettprobenraum unmittelbarer Nachbar von Ilse Pforr, brachte die vielgepriesene DDR-Nachbarschaft in das Konzept ein: „Daran können wir ja anknüpfen, denn vor der Wende hätte der Alltag in der DDR ja gar nicht ohne diese mehrwertfreie Nachbarschaft funktioniert. Das soll uns heute doch auch noch anspornen für andere da sein zu wollen“. In Kürze wird zum ersten Literarischen Salon eingeladen werden. Dann geht es um Bücher und Gedanken, über die man spricht und die man ausspricht.