Höhepunkt der Festlichkeiten im Thüringer Themenjahr „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“ war der „Tag der Tora“ am 14. Juli in der Wartburgstadt Eisenach. Am Nachmittag besuchte Ministerpräsident Bodo Ramelow das Gelände, auf dem einst die Eisenacher Synagoge stand. Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Schüler*innen wickelte er eine kleine Tora-Rolle im Miniaturformat auf. Beide Politiker*innen erinnerten an die Schändung der Eisenacher Synagoge vor 83 Jahren durch die Nationalsozialisten.

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Bereits am Vormittag besuchten Schulklassen die Gedenkstätte. Um gegen den Regen geschützt zu sein, schrieb der Rabbiner der Sephardischen Gemeinde in Berlin Reuven Yaacobov die Tora-Rolle in einer Pagode. Die Kinder durften ihm dabei über die Schulter schauen.

Im Rahmen des Themenjahres schenken die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und das Bistum Erfurt der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen eine neue Tora-Rolle als Zeichen der Versöhnung. Die Tora wird durch den Berliner Rabbiner Reuven Yaacobov von Hand geschrieben. Das Jubiläum wird zudem durch zahlreiche Veranstaltungen begleitet. Das Schreiben einer neuen Tora-Rolle wird wahrscheinlich in den nächsten 100 Jahren nicht noch einmal zu erleben sein.

Auf dem Platz der heutigen Karl-Marx-Straße 30 stand von 1885 bis zur Pogromnacht 1938 die Synagoge von Eisenach. An diesem Ort versammelten sich die Menschen jahrzehntelang zu Gebet und Austausch. Dieser Ort wurde durch die Nationalsozialisten 1938 geschändet. Im Jahr 2021 ist das Schreiben an der neuen Tora-Rolle eine Form der besonderen Würdigung und die erste rituelle Handlung seit 83 Jahren auf dem Platz der Gedenkstätte.

Bild: So sah die Synagoge in Eisenach vor ihrer Zerstörung aus. Foto: Ulrike Müller