Vielbeachtete Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung“ präsentiert bislang noch nie öffentlich gezeigtes Exponat aus der NS-Zeit.

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Das Lutherhaus Eisenach erhält ein außergewöhnliches Exponat: In seiner erfolgreichen Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung. Das kirchliche ‚Entjudungsinstitut‘ 1939–1945“ ist ab Mittwoch, den 23. März 2022, eine zweite der sogenannten Nazi-Glocken zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Bronzeglocke aus der Kirche St. Laurentius in Maua (Thüringen), die 1934 gegossen wurde.

 

Die Glocke trägt die Aufschrift „Gegossen im zweiten Jahre der nationalen Erhebung unter dem Fuehrer und Kanzler Adolf Hitler“ und zeigt als Glockenzier ein Hakenkreuz. Sie wird im Rahmen der Ausstellung als Beispiel für das Wirken der nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ (DC) präsentiert, die in Thüringen gegründet wurden. Einer ihrer Gründer, der evangelische Pfarrer Siegfried Leffler, war auch Leiter des 1939 in Eisenach gegründeten „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“, dessen historischer Aufarbeitung die Sonderausstellung gewidmet ist.

 

Die „Nazi-Glocke“ hing bisher für die Öffentlichkeit unzugänglich im Glockenturm der Kirche St. Laurentius in Maua. Mit der Übernahme des Lutherhauses in Eisenach ergänzt sie eine bereits in der Sonderausstellung gezeigte Glocke aus Tambach-Dietharz, die erste „Nazi-Glocke“, die in einem Museum öffentlich ausgestellt wurde. Nach Ende der Ausstellungslaufzeit sollen beide Glocken in die Dauerausstellung des Lutherhauses überführt werden und dort weiterhin zu sehen sein.

 

Beiträge zum Jubiläumsjahr „500 Jahre Lutherbibel“

Die Sonderausstellung „Erforschung und Beseitigung“ ist noch während des gesamten Jubiläumsjahrs zu Luthers Bibelübersetzung zu sehen, das in Thüringen unter dem Motto „Welt übersetzen“ gefeiert wird. Im Zentrum der Ausstellung steht u.a. die „Botschaft Gottes“, eine ‚entjudete‘ Bibel-Ausgabe, in der alle Bezüge zum Judentum getilgt wurden. Auch das Verhältnis des ‚Entjudungsinstituts‘ zu Martin Luther wird in der Ausstellung kritisch beleuchtet.

 

Die Schau „Erforschung und Beseitigung“ mit der neuen ‚Nazi-Glocke‘ ist eine von drei Attraktionen des Lutherhauses Eisenach zum Jubiläumsjahr: Wichtigster Beitrag ist die aktualisierte und erweiterte Dauerausstellung „Luther und die Bibel“, die seit ihrer Eröffnung 2015 bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Die zentrale Ausstellung zum Themenjahr zeigt, warum, wie und mit wem Luther die Bibel übersetzte und welche kulturhistorische Wirkung Luthers Bibelübersetzung entfaltete.

 

Ab Ostern 2022 werden u.a. drei neue Medienstationen zu erleben sein, die die bestehenden Ausstellungsinhalte ergänzen. Sie erläutern die überraschende Wirkungsgeschichte von Luthers berühmtestem Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“, den Einfluss von Luthers Bibelübersetzung auf andere volkssprachliche Bibelübersetzungen in ganz Europa und die Versuche späterer Übersetzer, den Bibeltext an die Vorstellungen, Bedürfnisse und Ideologien ihrer Zeit anzupassen – vom Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert bis zur „Bibel in gerechter Sprache“ im 21. Jahrhundert.

 

Auch die Skulptur „man in a cube“, die der renommierte chinesische Künstler Ai Weiwei anlässlich des Reformationsjubiläums schuf, ist weiterhin im Innenhof des Lutherhauses zu erleben – als einzigartige und außerordentlich aktuelle künstlerische Auseinandersetzung mit Luthers Ideen von Sprache und Freiheit.

Bild: Nazi-Glocke Sonderausstellung Entjudungsinstitut ©Stiftung Lutherhaus Eisenach (Sascha Willms)